Am Anfang war die Faulheit...

Während seines Studiums zeichnete 3 Rooosen nur sehr ungern. Aktzeichnen und "Zeichnen nach der Natur" lagen ihm einfach nicht. Er brachte seiner Meinung nach nicht eine gute Aktzeichnung zustande und brach alle Kurse ab. Oft saß er mit seinen Mitstudenten zusammen, die ständig zeichneten, während er sich langweilte. Da auch er sich irgendwie beschäftigen musste, griff er schließlich zum Stift und kritzelte gedankenlos vor sich hin, ohne Hand und Stift vom Blatt abzusetzen. Die entstandenen Zeichnungen legte er unbeachtet zur Seite oder warf sie weg. Seine Freunde aber zogen sie aus dem Papierkorb und veröffentlichten einige davon, ohne ihn darüber zu informieren. 3 Rooosen erkannte daraufhin, daß seine Zeichnungen einen guten Ansatz hatten, und er entwickelte daraus eine eigene Handschrift. Einstrichzeichnungen seien nicht seine Erfindung - sonst k önne er auch behaupten, er habe das Zeichnen erfunden - so der Künstler, aber er sei weltweit der einzige, der darin seine ganz pers önliche und unverkennbare Handschrift mit eigenem Charakter entwickelt habe.

Seine Einstrichzeichnungen entstehen aus dem Moment heraus. Er setzt den Stift an und beginnt meist am Auge. 3 Rooosen bedient sich hauptsächlich des klassischen Themas "Figur nackt", manchmal verschmolzen mit einem Gegenstand, etwa einem Musikintrument oder einem Fahrrad. Am Anfang steht aber noch lange nicht fest, was letztendlich herauskommt. Er kann erst an eine Frau denken, plötzlich wird es aber ein Mann, ein Hermaphrodit, kopulierende Körper, ein Tier, irgendetwas und manchmal auch gar nichts ... Die Zeichnungen sind wie aufkommende Gedanken, die während ihrer Entstehung noch geformt werden müssen.

Liegend oder auf dem Kopf betrachtet sehen die fertigen Zeichnungen manchmal viel besser aus als in der ursprünglichen Perspektive. Oft sind sie sowohl positiv als auch negativ und von verschiedenen Seiten her einsehbar. Die Arbeiten werden nur unauffällig oder rückseitig signiert, um die Konzentration auf den Strich nicht zu stören.

Am interessantesten werden oft die Zeichnungen, bei denen er nicht in die vom Gefühl her sinnvolle und logische Richtung fährt, sondern es wagt, einen neuen, auf den ersten Blick unlogischen oder unüberschaubaren Weg zu gehen - auch gegen den Strich -, mit einem erhöhten Risiko zu scheitern, so der Künstler.

Auch nach zehn Jahren und über 15 000 Werken wird es 3 Rooosen nicht langweilig, sich mit nur einem Strich zu beschäftigen. Es entstehen immer neue Ideen. In Performances versuchen z.B. Aktmodelle oder spontane Teilnehmer aus dem Publikum, seine Zeichnungen nachzustellen, oder er zeichnet live auf einem Overhead-Projektor zu Literatur oder Musik.

Brigitte Einstein

 

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